Zurück

by Mari

Wie drei Comics auf drei unterschiedlichen Formaten entstehen. Schule für Gestaltung Bern, Portfolio Abschlussarbeit. Juni 2021

Ausgangslage und Ziele

Ich habe schon sehr früh angefangen Comics zu zeichnen. Dabei waren die Geschichten für mich oft der Weg mich auszudrücken und irgendwas zu erzählen. Sehr oft hat mir das dabei geholfen unangenehme oder ko(s)mische Situationen zu verarbeiten und sehr oft konnte ich im Nachhinein über mein Erlebtes oder Gesehenes schmunzeln.
Comics zeichnen ist leider sehr komplex und beinhaltet viele verschiedene Aspekte wie beispielsweise der Auswahl der Ausschnitte (Bildausschnitt), Perspektiven, Panelanordnung (Seitenlayout), sowie Panelübergänge. Da ich die meisten dieser Aspekte in meinen bisherigen Comics & Cartoons weitgehendste ignoriert, respektive höchstens intuitiv/zufällig angewendet habe, möchte ich mich in dieser Arbeit mit einigen der oben genannten Aspekte vertieft auseinandersetzen und deren Wirkung in eigenen Comics ausprobieren. Zudem möchte ich für die Darstellung der Comics zum einen einzelne ganze Blattseiten (z.B. in Anlehnung an alte Bilderbögen) und zum anderen bestimmten Arten von einfachen Faltheftern (z.B. klassisches Heft oder Leporello) ausprobieren, da es mich interessiert, ob das Ausgabeformat zusätzlich zur Spannung einer Geschichte beiträgt.

Mein wahrscheinlich allererstes Comic mit dem Titel:der Hund.
Layout des Grauens. So sah es in meinen Comics früher aus.
Muss es immer ein Heft sein? Asterix und Cleopatra. Ein klassisches Comicheft.
Bilderbogen als Vorläufer der Comics. Hier im Beispiel «Robinson’s Reisen und Abenteuer». Alle Panels sind gleichgross. Es gibt keine Sprechblasen und der Text steht bei allen Panels immer an der gleichen Position. Die ganze Geschichte befindet sich im Blickfeld des Betrachtenden.
Baustellenplakat neben der Frauenklinik am Inselspital in Bern. Die Zeit ist ein wichtiger Aspekt, welcher eine Geschichte entstehen lässt und einen Comic von einer Illustration oder einem Cartoon unterscheidet. Doch kann ein zeitlicher Ablauf trotzdem als Einzelbildaufnahme dargestellt werden.
Comicslam 2019 in Winterthur. In 3 Minuten mussten Comics zu vom Publikum ausgewählten Begriffen gezeichnet werden.
Anleitung für ein einfaches Faltheft. Eignet sich für fast alles.

Grundlagen

Die Zeichnung erstellen

analog zeichnen

Unter analogem Zeichnen versteht man das klassische von Hand zeichnen. Hierbei wird meistens zum Bleistift gegriffen und die Zeichnung frei und mit Schwung angefertigt. Die Zeichnungen können danach entweder weiter analog bearbeitet werden, oder aber zur digitalen Bearbeitung eingescannt und in einem geeigneten Datenformat abgespeichert werden.

Von Hand gezeichnet.

digital zeichnen

Unter digitalem Zeichnen versteht man das Anfertigen von Zeichnungen auf einem Computer. Hier wird dazu ein Eingabegeräte wie ein Grafiktablet und eine geeignete Software verwendet. Im einfachsten wäre das Windows Paint. Ich persönlich arbeite mit der Software Gimp.

Digitales Zeichnen mit der Software Gimp und dem Grafiktablet von Wacom Intuos Pro M.

Inken

Beim Inken (von englisch ink „Tinte“) handelt es sich um Prozessschritt beim Herstellen von Comics. Dabei wird die Bleistiftzeichnung mit schwarzer Tinte oder Tusche nachgezeichnet. Dabei wird die endgültige Form der Zeichnung gegeben. Sobald die Tinte getrocknet ist, werden die Bleistiftzeichnungen mit einem Radiergummi entfernt. Mit bestimmten Zeichentechniken können auch verschiedene Grautöne und räumliche Tiefe simuliert werden.

Eine geinkte Zeichnung. Zum Inken verwende ich bisher ausschliesslich PITT Artist Pens in mehreren Dicken von Faber-Castell.

Kolorieren

Beim Kolorieren werden die Zeichnungen eingefärbt. Dies kann entweder von Hand geschehen oder ebenfalls digital auf dem Computer. Natürlich sind Farben eine komplexe Angelegenheit und sollten bewusst eingesetzt werden. So kann man sich also gerne die Frage stellen ob man wirklich die gesamte Zeichnung einfärben soll oder nur gewissen Elemente farblich hervorheben möchte.

Eine von Hand versus eine digital gefärbte Zeichnung.

zeichnen-skills

Alles ist schlimmer, als nicht zu zeichnen. Ich glaube dieses Zitat einmal irgendwo in ähnlicher Form aufgeschnappt zu haben. Beim Zeichnen selber hilft eigentlich alles nichts, ausser: üben, üben, üben. Ich war vor dem Besuch von Kursen an der Schule für Gestaltung in Bern öfters ziemlich frustriert, da ich meine Ideen zeichnerisch nicht in der gewünschten Schnelligkeit umsetzen konnte. Mein Ziel war es damal ganz klar, einfach besser zeichnen zu können. Und "besser" hiess für mich damals "schneller". Ich habe in den verschiedenen Kursen enorm profitiert und kann nun zu meiner Befriedigung Zeichnungen herstellen, die mir gefallen und welche für meine Comics ausreichen.

Die meisten Objekte können sich auf geometrische Grundformen reduzieren lassen.
Verwendung von Bewegungslinien, um die Figur zu platzieren. Schultern und Hüften sind wichtig. Wo spannt etwas, wo dehnt etwas. Das Zeichnen von extremen Bewegungen sind gute Übungen. Kenntnisse zu Proportionen der Figuren sind hilfreich.
Die Aktionslinie. Die Figur und ihre Bewegung erfassen. Und dabei immer schön locker bleiben.

Charaktere zum Leben erwecken

Alles kann als Charakter im Comic vorkommen. Eine Pyramide, eine Feuerwehrfrau, ein schwarzes Loch oder eine Büroklammer.

Am allerwichtigsten sind jedoch Emotionen, hier gezeigt an den 6 Grundemotionen und am Beispiel einer Illustrationen mit dem Titel 70 Emotionen der Sabine.
Die meisten Comic Charaktere haben einen Gegenspieler oder zumindest etwas, mit dem sie interagieren.Sabine und Sabine, die 7-beinige Riesenspinne Mausi als Gegenspielerin von Sabine, Sabine und die Kabine und der Krebsgeist.
Am wichtigsten ist es, seine Charaktere zu kennen. Um sie kennen zu lernen, kann man sie beispielsweise Yoga machen lassen. Oder man nimmt einen bekannten Charakter und zeichnet diesen in verschiedenen Situationen.
Say No
Ein paar Beispiele eigener Charaktere: die besorgte Bürgerin, der blaue Melefant und ich. Sowie mein absoluter Lieblingscharakter aus Asterix und Cleopatra.

Die Geschichten schreiben

Inspiration für Geschichten könnten überall sein. Falls einem mal wirklich nichts einfallen sollte, kann man auch einfach eine Nachrichtenschlagzeile nehmen. Zum Beispiel: Warum Kubas Karibik-Kommunisten sich bei Kennedy bedankten.
Welche Geschichten für Andere wirklich interessant und spannend sind, weiss ich nicht. Aber ich weiss, dass ich gerne Dinge lese, die mich ansprechen.
Vielleicht, weil ich so sein möchte wie die Heldin, oder weil der Held haargenau das durchlebt was ich auch durchlebe. Weil ich mich mit dem Erlebten identifizieren kann, weil es genau das ist, was ich empfinde.
Weil mir jemand aus dem Herzen spricht. Weil ich es toll finde, wenn jemand sein Seelenschmerz von mir ausbreitet und ich diese Person genau aus dem Grund bewundere.
Eine Geschichte ist umso besser, je mehr sie unsere ist. Schlägt also mein Herz für Briefmarken, dann muss meine Geschichte heissen: Die Jagd nach Penny Black

.
Am einfachsten ist es über Dinge zu schreiben, die man kennt.

Plot und Skript

Im Plot wird das grundlegende Handlungsgeschehen beschrieben. Im Skript kann man dann ins Detail gehen und sowohl die einzelnen Szenen als auch die Dialoge beschreiben. Es bietet sich bereits an diesem Punkt an, alles hin zu schreiben, was einem zur Geschichte einfällt, da man meistens auch schon ein vages Bild vor Augen hat wie alles aussehen sollte. Im Beispiel Die Jagd nach Penny Black könnte Plot und Skript wie folgt aufgebaut sein:

>
Plot und Skript von Die Jagd nach Penny Black
Plot An der Briefmarken- Weltausstellung wird die berühmteste Briefmarke der Welt vorgestellt. Als der Vorhang zur Vitrine geöffnet verschlägt es allen die Sprache.
Die Vitrine ist zerschlagen und... leer. Briefmarkensammler und Sammlerinnen weltweit schliessen sich zusammen und verfolgen Penny Black. Schlussendlich taucht Penny Black auf der Insel Tahaa auf.
Nach einem Endkampf auf einer Palme, kann Briefmarkensammlerin Ursula Mauerer Penny Black zurückholen. Die Briefmarke wird nun an der Briefmarken- Weltausstellung ausgestellt. Und Ursula erhält die mutige Briefmarke.
Allgemeines Die Geschichte spielt im Jahr 1965 statt und beginnt an der Briefmarken- Weltausstellung in Alexandria.
Szene 1 Panel 1: Est.shot. Alexandria City, 1965
Dialog Meine sehr verehrten Briefmarkensammlerinnen und Sammler. Ich begrüsse Sie herzlich...
Szene 1 Panel 2: Full.shot. Rathaus Alexandria
Dialog ..zur Briefmarken- Weltausstellung mit unserem Ehergast...
Szene 1 Panel 3: Medium.shot. Chefin Briefmarkenverein vor der Vitrine, welche von Vorhang verdeckt ist.
Dialog ..der einzigen, der wahrhaftigen, der unglaublichen, der unbezahlbaren...
etc.

Das Storyboard

Allgemeines zu Storyboards

Storyboards werden im Film und in Comics verwendet, um den Inhalt vor dem Filmen oder vor der Umsetzung des Comics zu visualisieren.
Dabei werden Objekte und Charaktere in jeder Szene positioniert und Winkel und Positionen der Kamera ausprobiert.
Storyboards erlauben das testen der Lesbarkeit. Sie sind temporär und nicht fürs Publikum gedacht.

Mein nachgezeichnetes Storyboard der "Wave Scene" aus dem Film Interstellar aus dem Jahr 2014. In Wirklichkeit würde so eine etwa 5 minütige Filmszene aus viel mehr einzelnen Shots bestehen. Es ist jedoch eine gute Übung um zu verstehen, wie Filme zusammengebaut werden. Zusätzliche kleine Kamerabewegungen innerhalb eines Panels werden ebenfalls angedeutet (hier mit orangen Pfeilen).

Aufbau eines Storyboards und Aspect Ratio

Comic-Panels können eine Vielzahl von Formen und Größen haben!
In Storyboards werden jedoch die Proportionen des Fernseh-/Filmbildschirms verwendet. Dies wird als Aspect Ratio oder auch Storyboard Frame Size bezeichnet. Die Dimensionen entsprechen dem Bildformat bei Filmen.
Das typische Storyboard Frame hat die Dimenionen 1 (Höhe) zu 1.85 (Breite).

Aspect Ratio
Struktur eines Storyboardes. Man kann entweder alle Panels bis zum Ende durchnummerieren (Titel 2) oder eine neue Nummerierung beim Szenenwechsel starten (Titel 1).

Auswahl der Panels / verschiedene Handlungs- und Szeneübergänge

Zur Auswahl der Bilderauschnitte, welche man für die Geschichte verwenden möchte, bietet es sich an, sich mit den unterschiedlichen Arten von Panel- Übergängen auseinanderzusetzen. Diese beziehen sich sowohl auf die einzelne Handlung einer Szene als auch auf verschiedene Szenen einer Geschichte. Ich habe mich nachfolgend mit 6 bekannten Übergängen beschäftigt.

6 Handlungsübergänge
1 Einzelne Schritte der Handlung Die einzelnen Schritte einer Handlung werden pro Panel explizit dargestellt.
Verlangsamung der Szene.
2 Von Handlung zu Handlung Von Panel zu Panel beginnt jeweils eine neue Handlung.
3 Perspektiven innerhalb einer Handlung Verschiedene Sichten innerhalb einer Handlung.
4 Von Szene zu Szene Jede Szene wird mit einer Handlung pro Panel gezeigt.
Grosse Zeitsprünge möglich.
Story- Verständlichkeit geht leicht verloren.
5 Perspektiven innerhalb einer Szene Alle Panels zeigen die selbe Szene, jedoch mit einer anderen Sicht.
Es gibt keine Handlungssprünge. Fokus auf Atmosphäre.
6 Zufällig Zufällige Anordnung verschiedener Szenen / Handlungen.
Beispiele für den Handlungsübergang 1 Einzelne Schritte der Handlung
Beispiele für den Handlungsübergang 2 Von Handlung zu Handlung
Beispiele für den Handlungsübergang 3 Perspektiven innerhalb einer Handlung
Beispiele für den Handlungsübergang 4 Von Szene zu Szene
Beispiele für den Handlungsübergang 5 Perspektiven innerhalb einer Szene

Frame shot- Typen

Bei den einzelnen Panels eines Storyboards handelt es sich schlussendlich um einzelne Momentaufnahmen. Bei diesen shots kann die Distanz der Kamera zum Subjekt verändert werden. Ebenfalls verändert sich der Viewpoint - also der Blickwinkel bei einer Kameraaufnahme. Daraus resultieren einige bekannte Frame shot- Typen.

Einige bekannte Frame shot Typen
Wideshot wideshot Location and Kontext der Szene.Der sogenannte Establishing Shots, oft auch als EST. abgekürzt.Das Subjekt ist bereits sichtbar.Fokus auf Umwelt und Lichtverhältnisse
Fullshot Fullshot Umwelt wird nur angedeutet.Ganzes Subject ist sichtbar.
Medium Shot mediumshot Zunehmende Nähe ans Subject.Betrachter ist ein Teil der Unterhaltung.Werden oft bei Konversations- Sequenzen angewendet.
Close-Up closeup Ein Subject aus grosser Nähe betrachtet. Gesichtsemotionen werden sichtbar.
Extreme Close-Up extremcloseup Identifizierung mit dem Subjekt. Grosse emotionale Spannung.Fokus auf Augenpartie.
Kamera shot - Typen bezogen auf eine Figur.
Ein paar weitere Beispiele für extreme close-Ups. Die Kamera ist schon fast unangenehm nahe beim Subject. Jede Emotion ist nun entschlüsselbar.
Verschiedene Perspektiven, resultierend aus unterschiedlichen Kameraposition.
Einfluss der Kamera- Höhe auf das Bild. Die Horizontlinie (HL) im oberen Drittel des Panels führt zu einem Gefühl der Überlegenheit gegenüber dem Charakter. Die Horizontlinie im unteren Drittel lässt den Charakter überlegen wirken.

Kontinuität / Continuity

Bewegung entsteht im Gehirn des Betrachters.
Durch die Änderung der Kameraposition, nimmt auch der Betrachtende jeweils eine neue Position ein, aus welcher er die Geschichte nun sieht und vor allem verstehen muss.
Damit der Lesende an dieser Stelle nicht verloren geht, ist es wichtig das Prinzip der Kontinuität zu beachten.
Kontinuität beschreibt in Film und auch Comics das Prinzip der Aufrechthaltung des Zusammenhanges innerhalb einer Aufnahme oder einer Geschichte. Dafür ist es hilfreich auf eine gleichbleibende, nachvollziehbare Richtung der Bewegung und der Orientierung des Charakters innerhalb der Szene zu achten.
Innerhalb von Konversations-Szenen ist die 180°Conversation Rule wichtig.

Beispiel für kontinuierliche Bewegungsrichtung. In diesem Fall fällt der Kanzlerin ein Stift zu Boden und bleibt am Boden liegen. Die Bewegungsrichtung wird in den drei Panels nicht geändert.
Beispiel für kontinuierliche Blickrichtung. Trotz des Perspektivenwechsels, verläuft die Blickrichtung in beiden Panels von Rechts nach Links.
Beispiel für den kontinuierlichen Lead Room. Die Handbewegung der Kanzlerin verläuft von Rechts nach Links in den sogenannten Führungsraum. Dieser liegt auch im zweiten Panel in der linken Panelhälfte.
180°Conversation Rule. Hier am herausfordernden Beispiel von Astrosusi und Kosmomari - welche sich optisch sehr ähnlich sehen.Wir stellen uns eine Linie zwischen den beiden vor und entscheiden uns für eine Seite, auf der wir die Kamera positionieren. Auf dieser Seite können wir wild herumschwenken und trotzdem wird der Betrachtende höchstwahrscheinlich der Konversation folgen können.
Weitere Beispiele für die 180°Conversation Rule.Wie beim Tennisspiel kann man sich den Blick des Zuschauers beim Ballwechsel als Kamerabewegung vorstellen. Die 180°Conversation Rule funktioniert auch bei mehr als 2 Charakteren.

The rule of thirds

Bereits beim Storyboarden kann man sich Gedanken zur Bildkomposition machen. Hier eignet sich zum Beispiel das "Rule of Thirds" Kompositionsgitter, welches die einzelnen Panels in drei Spalten und drei Zeilen einteilt.
Die Regel der Drittel kann für die Positionierung von Bildelementen innerhalb des Panels verwendet werden.
So wirken beispielsweise Objekte in der Mitte des Panels eher langweilig.
Eine asymmetrische Anordnung hingegen kann zu einer dynamischen Bildkomposition führen.

The rule of thirds.Zu viele Nähe der Objekte zu den Panelwänden kann unter Umständen auch ein beengendes Gefühl beim Betrachter auslösen.
Sich überlappende Objekte führen zu mehr wahrgenommener Bildtiefe.

Perspektive

Zwei-, drei- Punkt- Perspektiven, Vogel- und Frosch- Perspektiven.
Mit Horizont- und Hilfslinien arbeiten. Praktisch: Verschiedene Personen hängen alle am gleichen Ort an der Horizontlinie, egal wie weit sie gerade vom Betrachtenden wegstehen.

Kontrast

Weniger Kontrast in einem Bild wird mit Einheit und Ruhe assoziiert. Mehr Kontrast führt zu einem Anstieg von Spannung.

Beispiele für Storyboards

Eine grosse Aktion. Island will jeden Einwohner auf Covid-19 testen.(Ein privates Gentechnik-Unternehmen hat die entsprechende Erlaubnis der isländischen Regierung erhalten.) Eine Nachrichtenmeldung vom Montag, 16. März 2020.Island hat insgesamt 360.000 Einwohner und kann sich als Insel gut von jedem äußeren Einfluss abschirmen. Nun soll isländischen Berichten zufolge ein privates Gentechnik-Unternehmen alle Menschen des Landes auf Corona testen. Begonnen wurde bereits Ende vergangener Woche. Bislang stellte sich dabei heraus, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung – also 3600 Menschen – infiziert sein könnten. In Island ist die Hälfe aller Inselbewohner in der Datenbank "Íslendingabók" erfasst. Von vielen Hunderttausend Menschen sind hier die Stammbäume der letzten 1100 Jahre aufgeführt.
Das Gespräch zwischen einem Virologen und einer Wissenschaftsredakteurin im Radiostudio.Stichwörter: ungenaue Studien,voreilige Schlussfolgerungen, sinnvolle Vorsichtsmassnahmen, neues Verhalten einüben, es ist ein Prozess, Schuldzuweisungen helfen nicht. Fokus auf 180° Conversation Rule.
Die Bedrohung. Storyboard und Skript.

Layouten

Das Layout bezeichnet die Text- und Bildgestaltung einer Seite. Die Seite besteht im Comic aus Panels und dieses wiederum bezeichnet einen Ausschnitt einer Sequenz. Die Auswahl des Panelsinhalt haben wir im besten Fall bereits beim Storyboarden getroffen. Im Comic-Layout entscheiden wir nun wo wir welche Panels wie auf unserer Seite anordnen. Ebenfalls entscheiden wir nun über die Breite und Länge unserer Panels, also ob wir ein quadratisches oder eher ein längliches Panel verwenden möchten.

Panels

Ich entscheide mich für Panel Grössen und Dimensionen immer aufgrund des Bildinhaltes und der gerade dargestellten Bewegung.
Eigentlich ist der Kamera Shot Type bereits ein Indikator für die Auswahl.
So machen sich Wide - und Medium Shots gut auf eher grösseren, schmaleren Panels. Das Extreme-Close Up kommt gut aus auf einem kleinen, quadratischen Panel.
Grosse Dinge machen sich ebenfalls gut auf grossen Panels, kleine Dinge auf kleinen.
Man kann allerdings auch einfach gleich grosse Panel Dimensionen als Kacheln verwenden... Why not.

Anordnung der Panels auf einer Seite

Die Leserichtung innerhalb einer Seite erfolgt klassischerweise von links nach rechts - wie bei einem Buch.

Dies gilt auch für die Leserichtung von Text.

Das Layout unterteilt eine Seite in definierte Zonen: es gibt einen Seitenrand sowie vertikale und horizontale Rinnen (in englisch als gutter bezeichnet), welche die Panels separieren.

Vertikale Rinnen sind meistens etwas dünner als horizontale.

Breitere Rinnen führen zu einem Leseunterbruch.

Meistens werden Panels gestaffelt angeordnet. Dies natürlich auch in Abhängigkeit vom Panelinhalt.

Die Komposition innerhalb der Panels unterstützt den Lesefluss und erhöhen die Spannung. Auch wenn nach einer Seite die Geschichte noch nicht fertig ist, sollte die Komposition innerhalb einer Seite insich stimmig wirken.

Sprechblasen, Speedlines und Lautmalerei

Die grafischen Eigenschaften der Textblase selber können eine emotionale Botschaft zusätzlich oder entgegengesetzt zum geschriebenen Text übermitteln.
Mit sogenannten Speedlines, oder Bewegungslinien kann ein emotionaler Zustand oder eine Bewegung zusätzlich angedeutet werden.
Mit der Lautmalerei integrieren wir Geräusche im Bild.

Sprechblasen und Speedlines und ein seichtes Plop als Lautmalerei

"Rahmen or no Rahmen"

Ich selber fand Rahmen immer doof. Ich empfand sie als einengend. Aber sie dienen offenichtlich der Gliederung im Seiten- Layout entweder als fixer Bestandteil des Layout- Gitters und / oder als Orientierungs- Lesehilfe. Ich persönlich bevorzuge keine Rahmen. Eine klare / bewusste Abtrennung der Bilder ist jedoch trotzdem wichtig.

Hier gibt es zwar keine Rahmen, aber dies ist auch nicht nötig, da der Hintergrund dafür völlig ausreicht

Formate

Das Heft

Da man im Heft zukünftige Handlungen oft erst sieht, sobald man die entsprechende Seite umblättert, bleibt die Spannung hoch.
Beim Layout sollte man darauf achten, dass Seitenwechsel die Geschichte, respektive den Lesefluss nicht unterbrechen.
Kleine Heftformate erlauben nur ein Bild und wenig Text pro Seite.
Grosse Heftformate erlauben mehrere Bilder mit mehr Text, jedoch wird hier das Layout anspruchsvoller.

Faltbuch- Anleitung. Heft mit 8 Seiten.
Inklusive Titel- und Rückseite kann man in diesem Büchlein 16 Seiten unterbringen.A lot place for a small story!
Idee für eine 12- seitige Geschichte mit dem Titel der Code.
Mögliche Heftformate.

Das Leporello oder das Faltheft

Bei einem Leporello lese ich die Geschichte so, wie ich das Blatt auffalte.
Gewisse Bilder können so auch mehrere Male erscheinen und können in die Geschichte integriert werden.
Die Vorder- und Rückseite kann unterschiedlich sein.

Ein Leporello. Hier steht die Faltung im Vordergrund.
Das Geheimniss der Nonne Esmeralda.Beispiel für ein Leporello mit 10 Seiten und Vorder- und Rückseite.
One Sider. In diesem Beispiel bekommen wir von der Rückseite Einblick in das Geschehen auf der Vorderseite.
Mögliche Flyerformate.

Bildbogen. Mit und ohne Faltung

Panels auf einem Blatt erlauben es, alte/vergangene Informationen zu sehen.
Die Panel- Komposition, respektive das Layout ist besonders wichtig.
Weitere Faltungen des Blattes sind möglich.

Faltung auf Ablageformat nach DIN 824 Form A
Das Dorf. Ein Beispiel für eine einseitige Illustration von Jacob Schmid auf einem Tischset, welche ich in verschiedene Panels unterteilt habe und somit eine Geschichte kreeiert habe.
Idee für ein faltbares Gesamtbild, welches schlussendlich 24 Seiten ergeben würde. Die Leserichtung wird stark durch die Aufklapprichtung des gefalteten Blattes bestimmt.

Wie die drei Comics entstehen

Das Signal

Idee und Wahl des Formates

Der Plot zu "Das Signal" stammt von einem ehemaligen Arbeitskollegen, der sich offensichtlich für die Fliegerei interessiert.
Ich würde "Das Signal" als klassische Geschichte einordnen. Die Geschichte hat einen Spannungsbogen, mit einem Spannungspeak und einer spooky Auflösung am Ende.
Deshalb habe ich mich bei diesem Comic für ein Heftformat für das Layout entschieden.

Erste Layoutidee für das Signal.

Plot und Skript

Es regnet und stürmt. Ein Inlands-Flughafen empfängt das Notsignal eines vorerst nicht zu ermittelnden Flugobjekts. Die Sprache des Senders ist unbekannt. Das Flughafenpersonal kann ermitteln, dass das Signal direkt von der Runway gesendet wird, es ist jedoch keinerlei Flugzeug zu sehen. Nach einigen erfolglosen Versuchen der Kommunikation ist die Sprache des Sender mit einem Mal verständlich. Der Sender schildert in verzweifelten Worten eine Notwasserung und dass die Besatzung des Flugobjekts darum kämpft nicht unterzugehen. Der Leiter des Towers fährt in strömenden Regen auf die Runway um sich dort umzusehen. In einer Pfütze findet er ein handteller-grosses Ufo, dass dabei ist, unterzugehen. Er hebt es aus dem Wasser und betrachtet es. Ende.

Plot und Skript

Storyboard

Das Storyboard für das Signal.

Layout

Das Storyboard für das Signal.

Umsetzung

Vorzeichnungen mit Pastellstaub und Radierer, sowie einem Feinliner
Panelrahmen: Bleistift, Inking mit Feinliner und Silberstift.

Referenzbilder

Flughafen, Flugzeuge, Regen

Warum ein Halsbandsittich in Mannheim geblitzt wurde

Idee und Wahl des Formates

Mannheim ist eine coole Stadt - wenn man sie erst einmal kennenlernt. In der Innderstadt gibt es einige Hausfassaden, auf welchen grosse Wandgemälde zu sehen sind.
In Mannheim leben auch einige Tiere, von denen manche doch eher exotisch wirken. So begegnet man auf Stadtspaziergängen grossen Ratten, Hasen, Schwänen - welche auf dem Neckar oder auf dem Rhein rumschwaddern - und überraschenderweise auch den neongrünen Halsbandsittichen. Diese sind zwar schön anzusehen, sorgen jedoch auch für Ärger, da sie beispielsweise gerne an Hauswänden rumpicken. Dass ein Halsbandsittich in Mannheim von einer Radarfalle geblitzt wurde, konnte ich mit Bild in einer Lokalzeitung nachlesen. Dadurch entstand dann auch die Idee für diese Geschichte. Weiter ist Mannheim eine Quadratestadt, d.h. die Innenstadt wurde von den Gründern in Quadraten geplant und gebaut. Dies wird deutlich an den Strassennamen (z.B. G1,1) und beim Betrachten einer Strassenkarte.

Für mich stand von Anfang fest, dass ich diese Geschichte auf einer Stadtkarte zeichnen möchte, da ich somit viele Elemente dieser Geschichte zeigen kann.
Auseinandersetzung mit einer Wanderkarte. Auf so ein Format wollte ich meine Geschichte bringen.

Plot und Skript

Basierend auf einer wahren Geschichte...
Das Hauswandbild "der Denker", welches sich auf einer Hauswandfassade in Mannheim G6 befindet, wird von interessierten Bürger und Bürgerinnen betrachtet. Gleichzeitig wird das farbige Auge des Denkers von einem neugierigen Halsbandsittich von einem naheliegenden Dachhimmel beäugt. Zum Entsetzen aller Beteiligten wird das Auge vom Halsbandsittich aus dem Hauswandbild herausgepickt und der Vogel fliegt damit davon. Der diensthabende Schwan der Neckarpolizei nimmt darauf die Verfolgung auf. In der Stadt wird der Halsbandsittich dann vom Polizist Hase verfolgt. Während dieser wilden Verfolgungsjagd macht der Halsbansittich ein haarsträubendes Manöver in der Innenstadt und wird dabei von einer Radarfalle geblitzt.

Plot und Skript

Storyboard

Storyboard der Einzelbilder, inklusive Farbgebung. Die fertige Karte soll aus 3 Ebenen bestehen: der Hintergrund=Stadtkartemannheim (eher dezent), Häuser & Fluss als "Gesamtbild" über der Stadtkarte und den Panels, welche v.a. ans Geschehen ranzoomen.

Layout

So soll es aussehen. Genau so!
Layout - nur die Hintergründe. Aquarell.3x Breite 24cm, Höhe 35,5cm und 1x Breite 12,5cm, Höhe 35,5cm.
Layout - Hintergründe und Panels, ohne Text (off).
Layout - mit Text.

Umsetzung

Vorzeichnungen mit Bleistift.
Inken mit Faber-Castell Pitt Artist Pen fineliner (M, S und XS).
Kolorieren mit Farbstiften, Tombow ABt Pro Alcohol- Based, Stabilo Pens 68, Bleistift und Faber-Castell Pitt Artist Pen fineliner.
Ich habe die Panels teilweise mit einem Japanmesser ausgeschnitten und auf die Hintergründe gelegt. Die Schatten welche dadurch enstehen finde ich richtig cool.
Die Panels habe ich mit Klebestift auf die Hintergründe fixiert. Leider gingen dadurch die Schatten verloren. Doch nach einer Weile Pressen unter zwei schweren Büchern, sieht das ganze ganz schön smoothaus.

Referenzbilder

Referenzbilder

Kosmomari auf dem Schaumkussplanet

Idee und Wahl des Formates

Kosmomari und Astrosusi sind zwei Figuren welche vor einigen Jahren ehre zufällig im Rahmen einer Flyer Gestaltung für eine Veranstaltung entstanden sind. Seither gab es schon einige kosmische Comics mit diesen Hauptdarstellerinnen. Auf die Idee der Geschichte Kosmomari auf dem Schaumkussplanet kam ich während eines mehrwöchigen Aufenthaltes in Langenfeld in der Nähe von Köln. Ich glaube ich hatte damals eine temporäre Obsession für Schaumküsse entwickelt und mir dann auch eine XXL- Packung im Supermarkt geholt. Die Story selber ist eine Art Werbespot der Akademie für Kosmonautinnen und Astronautinne (Afk), weshalb ich mich schlussendlich auch für das Werbeposterformat entschieden habe.


Das Universum ist gross (im Vergleich zu uns) und deshalb wollte ich für diese Geschichte ein möglichst grosses Format.

Plot und Skript

Kosmomari fliegt (wieder einmal) ziellos durchs All. Plötzlich wird sie von einer fremden Anziehungskraft angezogen. Diese zieht sie auf einen unbekannten Planeten, auf welchem sie unsaft zu landen kommt. Der Planet ist voller Schokoküsse, doch Kosmomari kommt nicht dazu, die Schönheiten dieser Landschaften zu kosten, denn sie wird weiter von der Anziehungskraft in Richtung eines gigantischen Riesenschokokusses gezogen. Willenlos und nicht mehr Herrin ihres Körpers, wird sie von dem gigantischen Riesenschokokuss an dessen Seitenwand hochgezogen und schlussendlich ins innere des Riesenschokokusses gesaugt. Da droht sie von der weissen Masse absorbiert zu werden. Es ist nichts mehr von Kosmomari zu sehen, alles ist weiss. Bis plötzlich.... eine Klicken ertönt, gefolgt von einer gigantischen Detonation des Riesenschokokusses und Kosmomari, die mit der Explosionsfontäne zurück ins All geschossen wird.

Plot und Skript

Storyboard

Version 1.
Version 2.

Layout

Layout "boring".

  • +gute Lesbarkeit
  • +viele Panels auf einem Blatt möglich
  • -Panelsizes passen teilweise nicht zu Bildauschnitten (z.B. Hochformat)
  • -Gesamterlegbnis beim Betrachten fehlt
  • -keine Harmonie
  • -wenig Spannung
  • -keine Gruppierungen von "Szenen"

Fazit zu Layout "boring": unbedingt Platz für Text einplanen, sowie Bildauschnitt- Panels festlegen und im nächsten Entwurf einplanen

Layout "panelsize".

  • +gute Lesbarkeit
  • +Spannung steigt
  • -Doppelt so viele Gesamtseiten
  • -Gesamterlegbnis beim Betrachten fehlt

Fazit zu Layout "panelsize": Verschiedene Panelsizes führen zu mehr Spannund, jedoch ist es schwierig, die Panels zu kombinieren. In einem nächsten Schritt möchte ich die Panels als Szenen auf den Seiten anordnen und versuchen daraus eine Gesamtseite zu gestalten

Layout "Szenen". 3 Versionen.

  • +gute Lesbarkeit (ja nach Anordnung der Seiten)
  • +Spannung steigt
  • +Gute Szenenübergänge
  • +Relativ klassische Panelanordnung
  • -Doppelt so viele Gesamtseiten
  • -Gesamterlegbnis beim Betrachten fehlt immer noch :-(

Fazit zu Layout "Szenen": Gute Vorgehensweise um Layout nach Szenen zu planen. Jedoch ist immer noch fraglich wie das Ganze auf einem Einzelblatt angeordnert werden kann. Wahrscheinlich sind es einfach zu viele Panels für ein Gesamtbild. Nächster Schritt: Reduktion der Panels und Anordnung auf Gesamtbild.

Layout "Minimize your panels". 2 Versionen.

  • +gute Lesbarkeit
  • +Spannung steigt
  • +Genügend Szenenübergänge
  • +Anordnung auf grossem Blatt möglich
  • -weniger Panels
  • -Panelsizes noch nicht optimal

Fazit zu Layout "Minimize your panels": Der Text bestimmt die Anzahl Panels. Lesbarkeit bleibt erhalten, auch wenn alles auf einem einzigen Blatt angeordnet ist. Für eine Werbung (siehe Version 1) hat es jedoch immer noch zu viel Panels. Natürlich ist es unklar, was eine Protonade ist. Dies könnte man eventuell noch ergänzen (Inspiration von Logo nehmen, Erkennung) HIGH EXPLOSIVE PROJECTILE.

Layout "Werbung"

Fazit zu Layout "Werbung": Ein kleiner Exkurs in die Welt der Logos: AFK als Buchstabenzeichen - Logo. Die AFK als Initiantin dieser Werbekampagne. Sie bewirbt Protonaden, welche zur Standardausrüstung von Kosmonautinnen gehören. (Kosmonautinnen werden in der AFK ausgebildet). Der jeweilige Textzusatz gehört dann als Slogan zum "Produkt" Protonade. Der Slogans HIGH EXPLOSIVE PROJECTILE & Granaten der Zukunft beschreiben sogar zusätzlich die Leistung des Produkt. Ach ja. Die rote Farbgebung der Schriften ist ziemlich zufällig gewählt. Schlussendlich steht der rote Kreis als Logo für das Produkt Protonaden, welches von ALLEN wiedererkannt wird.

Layout mit Online Designertool Canva

  • +gut zum ausprobieren von Positionen
  • +eignet sich gut für schnelle kurze Comics
  • -Bilder müssen schon im richtigen Seitenformat sein
  • -keine eigene Schrift
  • -arbeit am Computer

Fazit zu Canva: Grundidee vom Layout muss vorhanden sein, danach könnte man eine schnelle Umsetzung durchführen.

Umsetzung

Vorzeichnungen mit Bleistift.
Schwarzer Karton als Hintergrund mit den ausgeschnittenen Zeichnungen.Zwei Versionen mit horizontaler versus vertikalen Anordnung.

Referenzbilder

Referenzbilder

Endprodukte

Das Signal

Heftformat. Höhe 21 cm, Breite 15 cm.

Warum ein Halsbandsittich in Mannheim geblitzt wurde

Kartenformat.

Kosmomari auf dem Schaumkussplanet

OnePager.